Erfahrungsbericht Netzhautforamina und Abhebung Teil 3

BellaKarloff, Niedersachsen, Montag, 19. September 2022, 12:07 (vor 14 Tagen) @ BellaKarloff

Bei der Kontrolle ein paar Wochen später hatte der Arzt keine Zeit und schaute nur in die unerweiterte Pupille, machte aber nochmal ein OCT und stellte zufrieden fest, es sei kleiner geworden.
Das Problem: Der Fleck in meinem Sichtfeld leider nicht. Im Gegenteil, inzwischen, Ende Juni, hatte ich schon drei Flecken der gleichen Art zentral im Blickfeld.
Als der dritte sich entwickelte, war ich nochmals in der MHH. Hier wurde mir mitgeteilt, man sehe da gar nichts und die Tropfen bräuchte ich auch nicht.
(Interessant ist aber, dass ich sp√§ter im Bericht etwas von einem atrophen Konus las) und im rechten Auge h√§tte ich schon ziemliche Glask√∂rperdestruktionen - mein Hausaugenarzt behauptet dagegen steif und fest, er k√∂nne keine Glask√∂rpertr√ľbungen erkennen (selbst sehe ich inzwischen mehrere schwarze √Ąste im Blickfeld, W√∂lkchen sowie diverse ‚ÄěQuaddeln‚Äú und W√ľrmchen en masse, ganz abgesehen von den gl√ľhenden Linien und Schatten).
Der Oberarzt gab dann noch meinen bisherigen Lieblingsmonolog zum Besten: Ich solle mir nicht so viele Sorgen machen. Generell w√ľrden sie immer wieder feststellen, dass Patienten, die sich nicht so sehr sorgten, fast die bessere Prognose h√§tten. Die k√§men zwar h√§ufig erst zu sp√§t zu ihnen, h√§tten aber das gl√ľcklichere Leben. Und: ‚ÄěJa, Sie haben ein sehr hohes Risiko, eine Netzhautabl√∂sung zu erleiden, aber davon sollten Sie nicht Ihr Leben bestimmen lassen.‚Äú Tja, seien Sie halt wachsam, aber nicht zu doll, oder wie?
Inzwischen ist September, nächste Woche habe ich wieder einen Kontrolltermin. In den letzten Wochen haben meine Beschwerden nochmal zugenommen. Ich habe jetzt vier Flecken mittig im Gesichtsfeld im rechten Auge und seit zwei Tagen einen im linken Auge, die beim Blinzeln kurz zu sehen sind oder wenn ich von einem dunklen auf einen hellen Untergrund sehe, sowie vor einem Kontrast, zB einem Fensterrahmen und schnell verklingen, wie ein Nachbild, nachdem man in eine Lampe geguckt hat.
So ein komisches Licht-Schatten-Ph√§nomen besteht inzwischen in beiden Augen, dazu massenweise Glask√∂rpertr√ľbungen und es blitzt fr√∂hlich vor sich hin, an allen m√∂glichen Stellen in beiden Augen, mal halbrund, mal sternf√∂rmig, mal Flackernd, besonders bei Aufregung, aber auch gerne wenn ich einen freien Tag habe und mich eigentlich entspannen will. Manchmal bilde ich mir ein, einen Schatten am Bildrand oder verschwommen zu sehen, aber diese Eindr√ľcke lassen sich nicht objektiv best√§tigen, daher gehe ich von Einbildung aus.

Ich habe heute √ľberlegt, meinen Kontrolltermin, der n√§chste Woche sein soll, vorziehen zu lassen, wegen der Flecken und aktuell t√§glich zunehmenden Glask√∂rpertr√ľbungen, habe mich aber nicht getraut, schon wieder beim Arzt anzurufen.

Sport habe ich nun seit einem Jahr kaum gemacht, traue mich einfach nicht, solange die Beschwerden nicht wenigstens konstant bleiben. Meine Muskeln, um die mich fr√ľher mancher Mann beneidet hat, sind weg.
Gerne w√ľrde ich mal wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, f√ľhle mich mit den ganzen komischen Lichtph√§nomenen und der Blendempfindlichkeit aber nicht verkehrstauglich.
Ich habe √ľber die Zeit ohne Sport ein Instrument gelernt, das hat mich etwas vor dem verr√ľckt werden bewahrt. Apropos, ich bin seit Monaten auf Therapieplatzsuche, bisher ohne Erfolg.

Geschlafen habe ich seit dem ersten Lasereingriff keine einzige Nacht mehr am St√ľck. Ich schrecke bei jedem Blitzen hoch, oft mache ich nochmal das Licht an, um zu pr√ľfen, ob ich noch etwas sehe.
Was sich au√üerdem ver√§ndert hat ist die Wahrnehmung von Visual Snow (habe ich auch erst gelernt, was das ist), mit mehr Bildrauschen, springenden P√ľnktchen und sehr starken, sehr lang anhaltenden Nachbildern (manchmal, wenn ich Text lese, bleibt das Streifennachbild der Schrift gute 20 min erhalten), aber auch Phantomnachbildern (so nenne ich sie), Nachbilder, wo gar nichts zu sehen war.

Meine größte Angst ist es, dass es noch schlimmer wird, dass der große Schlag noch kommt und dass ich meine große Leidenschaft, das Zeichnen, an den Nagel hängen muss. Dann weiß ich ehrlich gesagt nicht, was ich tue.

Vor die T√ľr gehe ich nur noch mit Sonnenbrille und Cappie, dass hilft gegen das st√§ndige Geblendet werden, manche der Lichtph√§nomene und d√§mpft die Wahrnehmung der Glask√∂rpertr√ľbungen etwas.
Auch ich nehme Lutein und Xeaxanthin, dazu Omega 3 nahrungsergänzend ein, inzwischen seit einem 3/4 Jahr, aber konnte bisher keinen Effekt feststellen.

Verglichen mit dem, was andere hier im Forum durchmachen mussten, ist meine Geschichte bisher wohl eher ein Spaziergang im Park und es tut mir leid, so zu jammern.
Nach allem, was ich hier gelesen habe, haben viele diesen Punkt durch, wo man sich mit seltsamen Ph√§nomenen in den Augen und der Angst konfrontiert sieht und versucht, alles einzuordnen. Hut ab vor allen, die das schaffen. Allen alles Gute und sorry f√ľr das lange Ausschweifen...


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