Plötzlich einäugig

Lene1919, Mittwoch, 06. Februar 2019, 10:28 (vor 355 Tagen)

Hallo,

ich hatte vor zweieinhalb Monaten einen Zentralarterienverschluss in meinem linken Auge und bin seitdem einäugig (persistierende Amaurosis links). Ich weiß, das dieses Forum für Betroffene von Netzhautablösung bestimmt ist, aber für mein Problem gibt es kein eigenes Forum und ich kann mir vorstellen, dass meine Probleme und Fragen sich mit den der Betroffenen von Netzhautablösung überschneiden.

Meine Situation:
Momentan bin ich voll mit der Umstellung vom beidäugigen Sehen auf das einäugige Sehen beschäftigt und das ist im Alltag eine große Herausforderung. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ein kleiner Punkt auf der linken Netzhaut von einer anderen Arterie versorgt wurde. Mit diesem kleinen Punkt kann ich also noch links sehen. Allerdings ist es nur ein sehr kleiner Punkt an der Peripherie, den ich nicht fixieren kann. Weil sich die Bilder bei beidseitigem Sehen nicht richtig übereinander legen, sehe ich diesen Punkt im Sichtfeld versetzt. Außerdem flimmert das Sichtfeld, das früher die Schnittmenge war. Sogar dann, wenn ich mir das linke Auge zuhalte. Das einzige, was die Augenärzte dazu sagen ist, dass es Zeit braucht bis mein Gehirn sich umstellt (ca.3-6 Monate). Entweder das Flimmern verschwindet oder ich gewöhne mich daran. Eine Sehschule oder Ergotherapie dafür gebe es nicht. Außerdem ist mir manches Mal schwindelig. Ich vermute, dass hängt damit zusammen, dass mir bei schnellen Bewegungen die Orientierung verloren geht.

Gibt es jemanden, der ein ähnliches Problem hat und mir seine Erfahrungen dazu schildern kann? Was habt Ihr bei der Umstellung auf die Einäugigkeit für Erfahrungen gemacht? War Euch auch schwindelig? Kann eine Sehschule wirklich nicht bei einer Umstellung unterstützen? Ist es vielleicht besser den linken Punkt durch eine Augenklappe abzudecken, damit sich das Gehirn zunächst auf das einäugige Sehen konzentrieren kann bevor es diesen Punkt ins Bild einfügt? Ist bei anderen Betroffenen das Flimmern mit der Zeit verschwunden? Wie lange hat bei Euch die Umstellung gedauert? Wann konntet Ihr wieder arbeiten gehen (bei einem Arbeitsplatz vor dem PC)?
Über einen Erfahrungsaustausch mit Betroffenen würde ich mich sehr freuen.
LG

Plötzlich einäugig

rop @, Mittwoch, 06. Februar 2019, 21:06 (vor 354 Tagen) @ Lene1919

Hallo Lene,
Herzlich Willkommen hier im Forum!
Du weißt, dass diese Arterienverschlüsse Signale sind, um allgemeinen Stoffwechsel, Blutdruck, Ernährung zu checken und ggf. einstellen zu lassen?

Klar hat das Gehirn jetzt erst einmal eine große Arbeit der Neuorientierung zu leisten. Das Gleichgewichtsorgan sind die Bogengänge im Innenohr und zusammen mit dem visuellen Eindruck und der Lage des Körpers, Gelenke, Stellungen im Raum ist es ständig am Rechnen und Vorhersagen treffen, ob es sich im sicheren Raum befindet oder ob etwas getan werden muss.
Wenn 50% der visuellen Info weg sind, fällt natürlich viel Recheninput weg und das führt zu Irritationen und Schwindel.
Ich könnte mir eine ganze Armada von Stand- und Koordinationsübungen zusammen mit Kraft vorstellen, damit derKöroer in der neuen Situation wieder Sicherheit und Gleichgewicht lernt und auch mittig ausgerichtet bleibt. Sonst spielt es im Körper Ping-Pong. Allein die Idee, durch einen schiefen Kopf einen Doppelblick wegzudrücken als Strategie, reicht schon völlig aus um den Körper völlig aus der Mitte zu bringen. Dann hast du Verdrehung Schulter zu Becken , Rumpf, Skoliose ... tendenziell lauter solche Sachen im Gepäck.
Wenn Blutdruck ok ist und Stoffwechsel und die Gefahr für Thrombosen gebannt ist, könnte ich mir auch gut solche Sachen wie Yoga oder Pilates vorstellen. Oder eben diese Stabilisationsübungen auf dem Wackelbrett.
Die gewonnene Sicherheit kannst du gleich in den Alltag übertragen.

LG ROP

Plötzlich einäugig

Bits&Bytes, Freitag, 15. Februar 2019, 15:59 (vor 345 Tagen) @ rop

Hallo Lene,

schreibe nicht oft hier, da ich aber ebenfalls einäugig bin, kann ich vielleicht etwas beitragen.

Bin vor ca. 20 Jahre relativ plötzlich auf dem linken Auge erblindet. Ursache wurde nie abschliessend geklärt.
Hatte noch einen minimalsten Sehrest, der mich in der ersten Zeit, genauso oder ähnlich wie jetzt Dich, beim Sehen behindert hat.

Trage jetzt seit 2 Jahren eine Augenprothese(Glasauge) und bin auch in entsprechenden Foren aktiv.
Bis mein rechtes Auge vollständig die Kontrolle übernommen hat, bzw. das Gehirn noch Restsignale vom blinden Partnerauge, vollständig ausgeblendet hatte, dauerte es (bei mir) ca. 1 Jahr. An Schwindel kann ich mich jetzt nicht erinnern.

Wenn dieser Zustand erst einmal eingetreten ist, dann ist auch die Umstellung auf einäugige (eindimensionale) Sicht abgeschlossen und man kann sich (relativ) problemlos orientieren. Natürlich braucht es hin und wieder den Schulterblick, beim überqueren von Straßen, etc., denn natürlich ist das Gesichtsfeld entsprechend eingeschränkt.
Wichtig ist selbstverständlich auch, das einzig verbliebene Auge mit bruchsicheren Polycarbonat-Gläsern zu schützen, selbst wenn man eigentlich keine Brille benötigen würde.

Frage doch einmal, ob man die Stelle im linken Auge, die sich jetzt noch in das Sehen einmischt, nicht stillegen (veröden)kann, aber vielleicht stelle ich mir das zu einfach vor.

Wenn Du gut englisch verstehst, kann ich Dir das amerikanische Forum "http://www.losteye.com/" empfehlen, da wird auch über die Thematik diskutiert.

Wünsche Dir alles Gute und viel Kraft.

Udo

Plötzlich einäugig

AndreasS, Dienstag, 26. November 2019, 23:40 (vor 61 Tagen) @ Lene1919
bearbeitet von AndreasS, Dienstag, 26. November 2019, 23:44

Hallo Lene1919,
Dein Eintrag ist zwar schon 9 Monate alt, aber ich antworte jetzt trotzdem in der Hoffnung dir zu helfen und das Du vielleicht auch mir helfen kannst.

Ich hatte im Februar 2016 einen Zentralarterienverschluss im linken Auge. Seither bin ich auf dem Auge blind - wobei wohl noch minimal etwas wahrgenommen wird. Wenn ich mit einer Lampe ins Auge leuchte, sehe ich leichte Veränderungen in der „Struktursuppe“ so nenne ich das mal und einen minimal erkennbaren hellen Flecken.

Ich hatte mich innerhalb weniger Monate an die Situation gewöhnt und konnte auch mental gut damit umgehen. 3 Wochen Reha/Kur in Masserber und anschliessend noch Ergotherapie hatten mir ganz gut geholfen. Auch die Arbeit am PC war problemlos möglich. Das Autofahren klappte nach der Zwangspause wunderbar. Abstandssensoren sind eine tolle Erfindung!

Der Grund für das Augen-Dilemma war meine verkalkte bikuspide Herzklappe. Diese hat dann im Oktober 2017 versagt und dann erst gingen die Probleme los. Ich wurde am Herz operiert und ging im Anschluss 4 Wochen in Reha.

Während der Reha - von einem auf den anderen Tag - sah ich plötzlich wieder schlechter. Warum auch immer!

Das „dunkle Auge“ mischt sich in sehr stark in die Schnittmenge des Blickfelds. Dein Problem scheint ähnlich zu sein. Wenn ich das Auge allerdings zuhalte oder auch mit einer Augenklappe unterwegs bin, dann ist es merklich besser. Ich bin dann auch sehr wackelig unterwegs und habe manchmal ein Schwindelgefühl. Vielleicht fühlt es sich aber auch nur so an.

Mir scheint, als hätte sich mein Gehirn entschieden, die wenigen Infos die über das Auge hinten ankommen, doch nicht mehr zu ignorieren und wieder einzublenden. Leider scheint es aber auch so zu sein, als würde es immer schlechter werden. Was mir auch auffiel ist, das Wetterumschwünge bzw. Luftdruckänderungen meine Sicht stark beeinträchtigen.

Ich werde mich mal nach diversen nicht erfolgreichen Arztbesuchen, in eine Klinik begeben und den Kopf neurologisch durchchecken lassen.

Wie ist es denn mittlerweile bei Dir. Hat sich das Flimmern in der Schnittmenge verbessert? War die Augenklappen-Taktik erfolgreich?

Gruß
Andreas

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