neu hier - Probleme nach NHA - Plombe etc. - ratlos

Zero, (vor 51 Tagen)

Hallo zusammen,
ich bin neu hier und möchte gern meine Erfahrungen teilen und mich austauschen.

Ich wurde mit angeborenem grauen Star geboren, im Vorschulalter wurden die Linsen entfernt und später habe ich Kunstlinsen bekommen. Seitdem bin ich zunehmend kurzsichtig geworden, außerdem habe ich einen Nystagmus. Mein beidseitiger Visus lag nie über 50–60.

Im Juli dieses Jahres hatte ich eine Netzhautablösung, die zuerst nicht erkannt wurde, und wurde dann später doch notfallmäßig operiert. Es wurde eine Plombe eingesetzt, mein Augenlid war wochenlang stark geschwollen, es kam zu Nachblutungen und mein Gesichtsfeld blieb eingeschränkt, obwohl die NH laut Ärzten anlag. Etwa sechs Wochen später kam es zu einer erneuten Ablösung neben der Plombe. Daraufhin wurde eine Vitrektomie mit Gastamponade durchgeführt. Trotz der Gasblase konnte ich mehr sehen als vorher. Inzwischen habe ich nicht mehr so große Einschränkungen im Gesichtsfeld, die Farben erscheinen jedoch anders und es ist alles irgendwie "unschärfer", obwohl die Klinik der Meinung ist, meinen Ausgangsvisus von 40 wieder erreicht zu haben. Die Brillenversorgung ist auch so gut es eben ging, angepasst worden.

Mittlerweile sind fünf Monate vergangen: Das operierte Auge wirkt kleiner, das Fremdkörpergefühl ist spürbar, schlafen auf dieser Seite fast unmöglich. Die Sehleistung ist weiterhin eingeschränkt, und ich muss nun Tropfen für den erhöhten Augeninnendruck nehmen und es wurde zudem eine Schädigung der Sehnerven festgestellt. Von Glaukom wurde nicht gesprochen, jedoch wurde eine Sehnervschädigung erwähnt und eine Optikusatrophie als Diagnose auf der Rechnung des KH vermerkt.

Mir wurde vor der ersten OP gesagt, dass die Plombe später verkleinert oder entfernt werden könnte, danach war davon nicht mehr die Rede. Ich habe nun von meinem Augenarzt auf meine Bitte eine Überweisung für eine Zweitmeinung in eine Uniklinik erhalten und hoffe, bald mehr Klarheit zu bekommen.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit Plomben, erneuter Netzhautablösung oder Tropfen bei erhöhtem Augeninnendruck?
Oder hat jemand schon eine Plombe verkleinern oder entfernen lassen – und hat sich das Fremdkörpergefühl danach verbessert? Kann mir jemand etwas zu einer ggf. möglichen Behandlung einer Asymmetrie sagen?

Ich freue mich über jede Rückmeldung und Austausch. Vielen Dank schon mal!

neu hier - Probleme nach NHA - Plombe etc. - ratlos

KAtharina ⌂, Camburg, (vor 42 Tagen) @ Zero

Liebe*r Zero, herzlich willkommen im Forum.

Was du in den letzten Monaten durchgemacht hast, ist enorm – körperlich wie emotional.
Kein Wunder, dass du dich ratlos fühlst.
Viele hier werden sich in deinen Schilderungen wiederfinden.

Ich gehe einmal Punkt für Punkt auf alles ein:

1. Wiederholte Ablösung nach Plombe
Gerade bei stark myopen Augen, angeborenen Besonderheiten, früheren OPs und Nystagmus ist das Risiko für erneute Ablösungen erhöht.
Dass sie „neben der Plombe“ auftrat, passiert öfter als man denkt – Zugrichtungen lassen sich nicht immer komplett ausgleichen.
Die Vitrektomie mit Gas war die richtige Entscheidung. Dass du mit Gas besser gesehen hast als vorher, zeigt, dass die Netzhaut wieder gut anliegt.

2. Unscharfe Wahrnehmung, Farbveränderungen
Das ist nach zwei Ablösungen völlig typisch. Die Makula und die Photorezeptoren brauchen lange – manchmal sehr lange – um sich zu stabilisieren.
Auch dein Nystagmus und die starke Myopie tragen dazu bei, dass der Visus schwankt oder „anders“ wirkt, selbst wenn die Klinik den Ausgangsvisus bestätigt.

3. „Das Auge wirkt kleiner“
Das gibt es tatsächlich sehr häufig. Ich bin die seltene Ausnahme, mein viel operiertes Auge ist größer.
Gründe bei Dir können sein:
- Restschwellungen
- Lidveränderung durch OP
- minimale Formänderung des Augapfels durch die Plombe
- muskuläre Anpassung
Das ist nicht gefährlich, aber verständlich belastend.

4. Fremdkörpergefühl, Druck beim Liegen
Auch das passt exakt zur Plombe. Wenn sie etwas ungünstig sitzt oder die Bindehaut darüber gereizt ist, spürt man das ständig.
Dieses Gefühl sollte sich nach Verkleinerung oder Entfernung deutlich verbessert hat.
Vermeide es auf der Seite zu liegen wenn es Dir Probleme macht.

5. Erhöhter Augeninnendruck und Sehnervschädigung
Nach Netzhaut-OPs ist ein erhöhter Druck sehr häufig.
Gas beeinträchtigt den Kammerwasserabfluss
- Steroidtropfen (z. B. Prednisolon) können Drucksteigerungen auslösen
- Narben verändern die Anatomie
- der Sehnerv ist insgesamt empfindlicher
Wichtig für dich: dass du drucksenkende Tropfen bekommen hast, bedeutet NICHT automatisch, dass du ein Glaukom hast.

Warum man Glaukomtropfen bekommt, obwohl kein Glaukom diagnostiziert wurde sorgt oft für Verwirrung.
Man braucht keine Glaukomdiagnose, um Glaukomtropfen zu nehmen.
Sie werden häufig eingesetzt bei:
- vorübergehend erhöhtem Druck nach OP
- Gas- oder Ölfüllungen
- Steroidtherapie
- Veränderungen durch Plombe/Vitrektomie
- empfindlichem oder vorgeschädigtem Sehnerv

Die Tropfen dienen in solchen Fällen nicht einer Glaukomtherapie, sondern einer Druckstabilisierung, damit sich der Sehnerv nicht weiter schädigt.
Eine Optikusatrophie heißt also nicht automatisch „Glaukom“, sondern nur, dass der Sehnerv schon gelitten hat und jetzt besonders geschützt werden muss.

6. Zweitmeinung – immer ein sehr guter Schritt
Eine Uniklinik kann dir helfen zu klären, ob die Plombe zu groß/störend ist, ob eine Entfernung oder Verkleinerung sinnvoll wäre, ob Zugwirkungen bestehen, wie stabil der Sehnerv wirklich ist, warum das Auge kleiner wirkt und wie man dein Fremdkörpergefühl lindern kann.

Dein Auge hat unglaublich viel hinter sich – und trotzdem hält es seinen Visus und kämpft weiter. Und es braucht Zeit zum Heilen.

Eine schöne Adventszeit und liebe Grüße,
Katharina

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Ich bin diesen Weg gegangen, um Euch zu zeigen wie es geht.

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