Metamorphopsie nach NHA - Behandlungsaussichten?

bestdani, (vor 27 Tagen)

Hallo,

ich hatte vor kurzem eine weitere Kontrolluntersuchung nach einer NHA Anfang letzten Jahres und hätte nun drei Fragen zum Thema ursächliche Behandlung (Augenarzt) und symptomatische Linderung (vermutlich Neurologie) und was man erfahrungsgemäß selbst noch weiter gut regulieren kann, ich möchte den bisherigen Stand des Verlaufs zwischen den Fragen noch kurz ausführen:

Im Gegensatz zu den Untersuchungen in einer anderen Augenarztpraxis und einem anderen Arzt in der aktuellen, erkannte oder benannte die dritte Ärztin direkt, dass sie eine sichtbare Falte auf der Netzhaut erkennen könne, was meine einseitige Metamorphopsie mit den Folgesymptomen physiologisch nun deutlich sichtbar erklärt.

D. h. visuell bedingte Koordinationsschwierigkeiten bei schnellen Ereignissen und in Folge z. B. immer noch kein Autofahren oder nur sehr vorsichtiges (unentspanntes) Radfahren, deutlich stärkere Belastung bei Bildschirmarbeit (vor allem als Softwareentwickler, der eigentlich häufig in Quelltexten und ähnlichem hin und her springen und Dokumentationen lesen muss) und generell viel schnellere Ermüdung im Alltag, durch das wohl immer noch dagegen ankämpfende / verwirrte visuelle System.

Ich wurde deshalb nochmal an die Klinik überwiesen, um zu evaluieren, was man tun kann, eine erneute OP wurde nicht ausgeschlossen, stark ungewöhnlich sei übrigens angeblich, dass ich mal von der Metamorphopsie wieder einen Visus von über 100% habe. Mir scheint mit der Kombination seien auch die Ärzte überfragt. Ich reime mir aber auch zusammen, dass deshalb die Belastung für das visuelle System besonders stark sein könnte?

-> Frage 1 - Augenarzt:
Da meine Erfahrungen mit den Ärzten nun stark unterschiedlich war und ich mich gerne gut darauf vorbereiten würde: hat jemand Erfahrungen damit, die Erfolgsaussichten und die Risiken? D. h. welche Möglichkeiten zur Korrektur der Ursache bestehen, nach denen ich ggf. explizit fragen kann, falls eine OP zu riskant / nicht erfolgversprechend sei und ist sie das der eigenen Erfahrung nach?


Darüber hinaus stellte mein Hausarzt bereits in Aussicht, dass falls die ursächliche Problematik durch Augenärzte nicht verbessert werden kann, er einen Termin beim Neurologen vorschlagen würde, um zumindest die sekundären Symptome zu lindern.

Online-Recherchen ergaben, man könne angeblich beispielsweise durch Augen / Verhaltenstraining oder ggf. gar medikamentös die Symptome durch die Überreizung des visuellen Systems lindern bzw. die Adaption (Neuroplastizität) ggf. beschleunigen.

-> Frage 2 - Neurologe:
Da das aber eher vage Quellen waren deshalb auch die Frage, ob ggf. jemand auch auf diesem Gebiet bereits Erfahrungen und von deren Erfolgsaussichten berichten kann, falls ursächlich nichts bedeutendes getan werden kann um mich auch hierauf bestmöglich vorzubereiten?


Aktuell habe ich mich zwar an die Umstände etwas gewöhnt bzw. nehme mir gerade auf eigene Faust die Zeit meinen Alltag daraufhin anzupassen und umzustrukturieren, z. B. mich beruflich stark zurückzunehmen, strikte Schlafroutinen zu etablieren, Hobbies umzugestalen usw. Zusätzlich bin in Absprache mit einem der ersten Augenärzte auch auf eigene Faust beim Optiker vorstellig geworden, wo man mir eine entlastende Brille anfertigte, die zumindest das Arbeiten am Bildschirm schon deutlich entlastet, ich trage sie aber eigentlich nun auch ständig im Alltag. So richtig zufriedenstellend ist die Situation natürlich noch nicht.

-> Frage 3 - weitere Maßnahmen:
Hat denn jemand Erfahrungen, ob einfach weiter wie bisher und ich mich noch einige weitere Monate in Geduld üben sollte, bis sich auch noch weitere Verbesserungen zeigen werden? [Das war mehr oder weniger das Fazit des 2. Augenarztes bevor die dritte Ärztin nun nochmal mit der Klinik winkte] und noch weitere Tipps zur Verhaltensanpassung im Alltag?


Danke für jeglichen Input, auch wenn nicht alles beantwortet werden kann und ein frohes und vor allem gesundes neues Jahr.

Metamorphopsie nach NHA - Behandlungsaussichten?

KAtharina ⌂, Camburg, (vor 25 Tagen) @ bestdani

Lieber bestdani,
erst einmal herzlich Willkommen bei uns.

Du beschreibst etwas, das viele Betroffene erleben, aber nur wenige so gut in Worte fassen können.
Und vorweg: Du bildest dir das nicht ein. Das, was du schilderst, passt sehr gut zu dem Befund, den die dritte Ärztin erstmals klar benannt hat.

Ich versuche, deine Fragen strukturiert zu beantworten.

Einordnung vorab: eine sichtbare Falte der Netzhaut nach NHA (häufig im Sinne einer epiretinalen Membran / retinalen Faltenbildung) kann sehr ausgeprägte Metamorphopsien verursachen – selbst dann, wenn der Visus formal „sehr gut“ oder sogar >100 % ist.
Das ist kein Widerspruch, da der Visus Auflösung misst, Metamorphopsie betrifft die räumliche Organisation des Bildes.

Gerade diese Kombination ist extrem anstrengend fürs Gehirn und erklärt sehr gut:
• schnelle Ermüdung
• Probleme bei dynamischen Situationen (Radfahren, Autofahren)
• massive Belastung bei Bildschirm- und Detailarbeit
• das Gefühl eines „dauernd kämpfenden visuellen Systems“

Frage 1 – Augenarzt / Klinik / OP-Möglichkeiten
Typische Optionen, über die in der Klinik gesprochen wird wäre eine erneute OP (z. B. Membran-Peeling)
• Ziel: Glättung der Netzhautoberfläche
• Kann Metamorphopsien verbessern, muss aber nicht
• Risiko: erneuter Eingriff an bereits vorgeschädigter Netzhaut
Wichtig zu wissen ist hier, die Verbesserung betrifft oft eher Verzerrungen als Visus. Das Gehirn braucht Monate, um sich an neue Reizlagen anzupassen. Ein Erfolg ist nicht garantiert, daher die Zurückhaltung vieler Ärzte.
Fragen für die Klinik:
• Handelt es sich um eine epiretinale Membran, Falte oder beides?
• Wie stabil ist die Netzhaut aktuell?
• Welche realistische Verbesserung ist wahrscheinlich, nicht nur theoretisch?
• Was sind die Risiken?
Dass deine Ärztin eine erneute OP nicht ausschließt, zeigt zumindest, dass der Befund ernst genommen wird – das ist positiv.

Frage 2 – Neurologie / Neuroplastizität
Dein Hausarzt liegt mit seinem Gedanken gar nicht falsch. Was realistisch ist: keine „Heilung“ im neurologischen Sinn, aber Unterstützung der Adaption des Gehirns.
Erfahrungen aus der Praxis:
• Seh- und Wahrnehmungstraining (z. B. bei Orthoptik / Neurooptometrie)
• gezieltes Belastungsmanagement (Reizreduktion, Pausen, Lichtführung)
• selten medikamentöse Ansätze (eher bei massiver Überreizung)
Der wichtigste Punkt- Dein visuelles System lernt – aber langsam.

Frage 3 – Abwarten, Anpassung, eigene Maßnahmen
Das, was du bereits tust, ist klug und genau richtig:
• Reduktion beruflicher Belastung
• feste Schlafroutinen
• Anpassung der Hobbies
• entlastende Brille (großes Plus!)
Was dir erfahrungsgemäß noch helfen kann:
• Geduld in Monaten, nicht Wochen denken
• Bildschirmarbeit klar strukturieren (größere Schrift, weniger Wechsel)
• Bewegung ohne visuelle Überforderung (z. B. Gehen statt Radfahren)
• Stressreduktion – psychischer Stress verstärkt Metamorphopsien messbar
Viele erleben zwischen 12–24 Monaten noch Anpassungseffekte.
Dass deine Ärzte „Geduld“ empfehlen, ist nicht bequem – aber medizinisch nachvollziehbar.

Ganz wichtig zum Schluss:
Du bist nicht „kompliziert“, nicht „überempfindlich“ und nicht „austherapiert“.

Du befindest dich in einem Grenzbereich, indem die Netzhaut strukturell verändert ist und dein Gehirn versucht, etwas eigentlich Unmögliches auszugleichen
Dass du damit bewusst und reflektiert umgehst, ist eine große Stärke.

Vielleicht könnte dir auch eine Reha in Masserberg weiter helfen!

Liebe Grüße,
Katharina

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Ich bin diesen Weg gegangen, um Euch zu zeigen wie es geht.

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