Prognose nach Netzhautablösung und PVR

LarissaT, (vor 4 Tagen)

Hallo zusammen! Ich hoffe, hier ist Jemand, der mir etwas Mut machen kann. Ich hatte mi Herbst mehrere Netzhautlöcher, die alle gelasert wurden. Laut Arzt war alles stabil, aber um Weihnachten herum hat sich meine Sehfähigkeit rapide verschlechtert. Erst nach Wochen fand ich in München einen Arzt, der die Ursache gefunden hat: mehrere Löcher und Proliferative Vitreoretinopathie. Er war aber sehr optimistisch, dass nach OP mein Visus wieder gegen 100 Prozent gehen kann. Nach der OP mit SF6-Gas hatte ich leider gleich einen Rückfall. Jetzt bin ich zwei Wochen nach erneutet OP mit C3F8-Gas. Die Gasblase ist schon recht klein, was ich für C3F8-Gas ungewöhnlich finde. Was mir Angst macht: Ich sehe noch extrem unscharf und kann überhaupt nicht lesen. Ich bin stark kurzsichtig und habe in dem operierten Auge eine Kunstlinse mit -2,75 Dioptrien bekommen. Leider schließt auch meine Pupille aufgrund von Verklebungen nicht mehr. Der Arzt meint, das könnte man mit einer weiteren OP beheben. Fazit: Ich sehe extrem nebelig und kann wie gesagt überhaupt nicht lesen. Das ist weit weg von 100 %. Hat jemand von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir sagen, ob das noch deutlich besser werden kann? Selbst nach der zweiten OP meinte der Arzt noch, dass das Auge super wird. Vielleicht bin ich auch jetzt so enttäuscht. Hinzu kommt die große Angst vor einem weiteren Rückfall und der PVR. Kann mir jemand Mut machen?

Prognose nach Netzhautablösung und PVR

KAtharina ⌂, Camburg, (vor 3 Tagen) @ LarissaT

Liebe Larissa,
es ist absolut verständlich, dass Du gerade enttäuscht und verunsichert bist. Zwei Operationen innerhalb kurzer Zeit, dazu PVR – das ist körperlich und emotional extrem fordernd.

Ich versuche, Dir ein paar sachliche Orientierungspunkte zu geben.
Zwei Wochen nach C3F8 sind sehr früh. Auch wenn Dir die Gasblase „schon klein“ vorkommt:
C3F8 bleibt zwar länger als SF6 im Auge, aber wie schnell Du sie wahrnimmst, hängt von Gasmenge, Füllgrad und Deiner Körperhaltung ab. Dass sie subjektiv kleiner wirkt, heißt nicht automatisch, dass etwas „nicht stimmt“.

Wichtiger Punk: mit Restgas kann man kein verlässliches Seh-Ergebnis beurteilen.
Gas verursacht:
• starke Brechungsänderungen
• Nebel- und Wassereffekt
• massive Verzerrung
• eingeschränktes Gesichtsfeld
Solange Gas im Auge ist, ist „extrem unscharf“ leider normal.

PVR macht den Verlauf unberechenbarer – aber nicht hoffnungslos
Proliferative Vitreoretinopathie ist tatsächlich die größte Herausforderung nach einer Ablösung. Sie erhöht das Rückfallrisiko – ja.
Aber:
• Viele PVR-Augen stabilisieren sich nach erneuter OP dauerhaft.
• Die Sehverbesserung kann sich über Monate entwickeln.
• Zwei Wochen sind kein Zeitpunkt für eine Prognose.

Gerade wenn die Makula wieder anliegt, besteht grundsätzlich Verbesserungspotenzial – nur nicht im 14-Tage-Fenster.

Zur Kunstlinse −2,75 dpt & aktuelle Unschärfe
Mit Gas im Auge verschiebt sich die Refraktion massiv.
Die Kunstlinse allein erklärt Dein aktuelles „Nichts-lesenkönnen“ nicht.
Das Gas dominiert das optische System vollständig.

Eine seriöse Beurteilung der Sehschärfe ist erst möglich, wenn:
• das Gas vollständig resorbiert ist
• sich die Netzhaut beruhigt hat
• ggf. Entzündung abgeklungen ist

Das dauert aus meiner Erfahrung eher 12 Wochen und keine 2.

Pupillenverklebungen (Synechien)
Dass die Pupille sich nicht richtig bewegt, kann zusätzlich Blendung und Nebelgefühl verstärken.
Das ist unschön, aber prinzipiell behandelbar – operativ oder teilweise auch medikamentös, je nach Befund.
Nach mehreren Eingriffen, Entzündungsreaktionen oder Gas-/Öltamponade kann die Pupille sehr lange „träge“ oder verklebt wirken.
Das kann sich über Wochen bis Monate langsam bessern.

Zwei Wochen nach einer erneuten OP ist dafür absolut zu früh um das beurteilen zu können oder einen Eingriff anzustreben.
Eine schlecht reagierende oder verklebte Pupille verstärkt das Nebelgefühl und die Blendempfindlichkeit zusätzlich – das heißt, Dein aktueller Seheindruck ist nicht allein Ausdruck der Netzhautsituation.
Oft beruhigt sich das Gewebe mit der Zeit deutlich.

Im Moment ist Dein Auge noch im akuten Heilungsmodus.
Es arbeitet – auch wenn es sich für Dich gerade nicht so anfühlt.

Nach einem Rückfall ist die Angst fast immer größer als beim ersten Mal.
Wichtig für Dich sind regelmäßige Kontrollen, keine Panik bei jedem Seheindruck (mit Gas sieht alles dramatisch aus) und vor Allem – den Zeitfaktor akzeptieren – auch wenn das schwer ist.
Geduld und Geduld und nochmals Geduld.

100 %Sehschärfe nach PVR-OP ist möglich, aber nicht garantiert.
Was realistischer ist, wäre eine deutliche Verbesserung im Verlauf, dass funktionelles Lesen wieder möglich ist und eine Stabilisierung des Sehens.

Zwei Wochen sind noch nicht der Zeitpunkt, an dem man sagen kann: „Das war’s.“
Schau, wenn Du Dir ein Bein brichst wirfst Du auch nicht nach 2 Wochen die Krücken weg und erwartest dass es geheilt ist und Du sofort wieder super laufen kannst.

Du bist mitten im Heilungsprozess – nicht am Ende. Gib deinem Auge die Zeit dafür.

Liebe Grüße
Katharina

--
Ich bin diesen Weg gegangen, um Euch zu zeigen wie es geht.

Prognose nach Netzhautablösung und PVR

LarissaT, (vor 1 Tag, 0 Stunden, 30 Min.) @ KAtharina

Liebe Katharina,

ich danke Dir für Deine unterstützenden Worte! Du hast sicher Recht, dass ich mir mehr Zeit geben muss. Leider bin ich selbstständig und in der Klinik wird jedes Mal ein Sehtest gemacht und mir irgendwie suggeriert, dass es besser werden muss. Vor der OP klang alles ganz einfach und es fällt mir schwer, mich an die neue Situation zu gewöhnen.
Nachdem ich ja schon seit Dezember von Arzt zu Arzt gelaufen ist und niemand eine Diagnose stellen konnte, obwohl mein Visus schon bei 0,1 war, bin ich seit Monaten im Stress- und Notfallmodus. Leider würde ich mir inzwischen auch eine Depression attestieren. Ich habe das Gefühl, mein altes Leben gibt es nicht mehr und ich kann mich auf und über nichts mehr freuen.

Prognose nach Netzhautablösung und PVR

KAtharina ⌂, Camburg, (vor 23 Stunden, 56 Minuten) @ LarissaT

Liebe Larissa,
danke, dass Du das so offen schreibst.
Was Du beschreibst, ist keine Schwäche – das ist eine völlig nachvollziehbare Reaktion auf monatelangen Alarmzustand.
Seit Dezember:
• Visus 0,1 ohne klare Diagnose
• Arztwechsel
• Notfall-OP
• Rückfall
• zweite OP
• PVR
• Selbstständigkeit im Hintergrund

Dein Nervensystem war die ganze Zeit im Ausnahmezustand.
Dass jetzt Erschöpfung, Leere und depressive Gedanken auftauchen, ist leider sehr typisch nach solchen medizinischen Krisen.
Ich habe das auch erlebt und kann sehr gut nachempfunden wie es Dir geht.

Wenn in der Klinik bei jedem Termin ein Sehtest gemacht wird und unterschwellig vermittelt wird „das müsste jetzt besser sein“, erzeugt das enormen Druck.
Zwei Wochen nach erneuter PVR-OP ist aber kein realistischer Zeitpunkt für eine finale Bewertung. Dein Auge ist noch mitten in Entzündung, Gasresorption und Heilung.

Dass es sich „vor der OP ganz einfach“ anhörte und jetzt so komplex ist, verstärkt das Gefühl von Kontrollverlust zusätzlich.
Was Du gerade beschreibst –
„Mein altes Leben gibt es nicht mehr“
„Ich kann mich über nichts mehr freuen“
– sind typische Zeichen eines Erschöpfungs- oder depressiven Zustands nach Trauma.
Und ja, eine Netzhautablösung mit PVR kann psychisch traumatisch sein.
Das wird oft unterschätzt.
Wir haben das bei den letzten Seminaren teilweise besprochen, und es geht so vielen von uns so.

Ganz wichtig für Dich:
Zwei Wochen nach C3F8 ist kein Endzustand.
Dein aktueller Seheindruck ist kein endgültiges Urteil.

Deine psychische Reaktion ist behandelbar und vor allem verständlich.
Wenn Du selbstständig bist, kommt zusätzlich Existenzangst dazu.
Das verstärkt alles.
Vielleicht wäre es sinnvoll, Dir parallel Unterstützung zu holen – Hausarzt, psychosomatische Beratung oder einfach ein Gespräch mit jemandem, der sich mit Krankheitsverarbeitung auskennt.
Das ist kein „Aufgeben“, sondern Stabilisieren.
Du bist nicht nur enttäuscht. Du bist erschöpft.

Und unabhängig vom Auge: Du musst da psychisch nicht allein durch.
Herzliche Grüße
Katharina

--
Ich bin diesen Weg gegangen, um Euch zu zeigen wie es geht.

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