Ziemlich frustriert...

KAtharina ⌂, Camburg, (vor 9 Tagen) @ Ibis

Liebe Ibis,

ich kann deinen Frust verstehen.
Ich versuche es einmal nüchtern und ehrlich einzuordnen, auch wenn manches davon nicht das ist, was man gerne hören möchte.

Zum Thema Kontrollintervalle:
Man muss hier zwei Dinge trennen – das berechtigte Bedürfnis nach Sicherheit und den medizinischen Nutzen.
Kontrollen alle 1–2 Wochen sind nach einer NHA emotional absolut nachvollziehbar, medizinisch aber in den meisten Fällen nicht sinnvoll und werden von der Krankenkasse auch nicht dauerhaft übernommen, wenn kein neuer Befund oder akute Symptome vorliegen. Dazu kommt ganz pragmatisch, dass viele Praxen diese Dichte schlicht nicht leisten können. Sprich, in den ersten Wochen wird engmaschiger kontrolliert, dann werden die Abstände angepasst und erweitert.

Der unbequeme, aber wichtige Punkt ist:
Eine Netzhautablösung lässt sich durch häufige Kontrollen nicht verhindern.
Sie kann entstehen zwischen zwei Terminen, egal ob nach 7, 14 oder 30 Tagen – im schlimmsten Fall genau dann, wenn man gerade die Praxistür hinter sich schließt. Kontrollen können etwas feststellen, aber keine Garantie geben.

Deshalb arbeiten viele Ärzte so:
• engmaschige Kontrollen in der frühen Phase
• später größere Abstände
• dafür klare Anweisungen, bei welchen Warnzeichen man sofort kommen soll

Mehr Termine bedeuten leider nicht automatisch mehr Sicherheit – manchmal erzeugen sie sogar zusätzlichen Stress, der Symptome verstärken kann.

Zum Thema Blutdruckmedikamente:
Die pauschale Aussage, Blutdruckmedikamente hätten keinen Einfluss auf die Augen, ist so nicht korrekt.
Blutdruck, Durchblutung und vor allem nächtliche Blutdruckabfälle spielen bei vorbelasteten Augen (Netzhaut, Sehnerv, Glaukomrisiko) sehr wohl eine Rolle.
Das heißt nicht, dass man Medikamente verteufeln sollte – aber sie gehören differenziert betrachtet und ggf. angepasst, nicht einfach abgewunken.

Gerade in deiner Konstellation halte ich ein stationäres Profil von Blutdruck und Augeninnendruck für sehr sinnvoll. Einzelmessungen in der Praxis sind Momentaufnahmen. Ein mehrtägiges Profil – idealerweise inkl. Nachtwerte – kann zeigen ob es relevante Blutdruckabfälle gibt, ob Medikamente zu stark oder ungünstig wirken und wie sich der Augeninnendruck im Tages- und Nachtverlauf verhält.
Das ist oft deutlich aussagekräftiger als viele einzelne Messungen und hilft, Über- oder Unterbehandlung zu vermeiden.

Unterm Strich: Dein Sicherheitsbedürfnis ist verständlich.
Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, was Kontrollen leisten können – und was nicht.
Entscheidend ist weniger der Abstand der Termine als eine gründliche Untersuchung, gute Aufklärung und das Wissen, wann man wirklich sofort reagieren muss.

Liebe Grüße
Katharina

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Ich bin diesen Weg gegangen, um Euch zu zeigen wie es geht.


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