Ziemlich frustriert...

KAtharina ⌂, Camburg, (vor 9 Tagen) @ Ibis

Liebe Ibis,

ich verstehe deine Frustration wirklich gut. Wenn man selbst das Gefühl hat, da stimmt etwas nicht, und dann nicht gründlich geschaut wird, bleibt man mit Angst und Unsicherheit zurück. Das ist extrem belastend.

Ich möchte trotzdem einen Punkt klar einordnen, weil er für dich wichtig ist:

Nach etwa drei Monaten ist es medizinisch in der Regel nicht mehr üblich, routinemäßig alle 1–2 Wochen zu kontrollieren – selbst nach komplizierten Netzhautverläufen. Die sehr engmaschigen Kontrollen gehören zur frühen Phase direkt nach der OP.
Danach werden die Abstände normalerweise schrittweise verlängert, sofern kein neuer klarer Befund oder akute Warnzeichen vorliegen.

Das bedeutet nicht, dass Beschwerden egal sind. Aber man unterscheidet medizinisch zwischen
• akuten Warnzeichen, bei denen sofort untersucht werden muss, und
• anhaltenden Wahrnehmungsphänomenen (Photopsien, Flimmern, Schleier), die nach NHA leider sehr häufig sind, sich aber oft nicht eindeutig einem neuen Schaden zuordnen lassen – egal wie oft man schaut.

Gerade Photopsien sind extrem unspezifisch. Sie können von Glaskörperveränderungen, Narben, Zug, Stress, Blutdruckschwankungen oder dem Nervensystem kommen. Sie lassen sich oft nicht objektiv bestätigen, auch wenn sie sehr real und beängstigend sind.

Was ich ebenfalls wichtig finde, mir ist nicht bekannt, dass man mit einer normalen Untersuchung „Silikonöl im Trabekelwerk“ direkt sehen kann. Ein erhöhter Druck kann genauso gut stressbedingt sein – und Dauerstress kann den Augeninnendruck messbar erhöhen. Dein Arzt kann nicht einfach sehen oder messen ob Öl die Ursache ist und in welchem Umfang.

Entscheidend ist deshalb weniger der Abstand der Termine, sondern dass bei echten Veränderungen zeitnah reagiert wird, dass dann gründlich untersucht und dass du weißt, bei welchen Zeichen du sofort kommen sollst.

Dein Sicherheitsbedürfnis ist absolut nachvollziehbar. Aber sehr häufige Kontrollen über Monate hinweg können die Angst leider eher verstärken, ohne medizinisch wirklich mehr Sicherheit zu bringen.
Wenn du das Gefühl hast, dein Arzt untersucht nicht ausreichend oder erklärt dir zu wenig, ist ein Arztwechsel sinnvoll – nicht zwingend noch engmaschigere Termine.


Ergänzend noch ein wichtiger Punkt zu den Blutdruckmedikamenten:
Ich würde dir dringend empfehlen, die verordneten Blutdrucksenker selbst noch einmal gezielt zu recherchieren – entweder klassisch über seriöse medizinische Quellen oder auch mithilfe einer KI, die Studien, Wirkmechanismen und bekannte Wechselwirkungen zusammenfassen kann.
Nicht jede Kombination ist in dieser Konstellation ideal, und leider sind nicht alle Ärzte in diesem Spezialzusammenhang gleich gut informiert. Gut vorbereitet ins Gespräch zu gehen, ist hier kein Misstrauen, sondern Selbstschutz.

Akute Lösungen bei Pflege-Notfällen (auch kurzfristig!) soweit ich das kenne:

1. Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI) – ganz wichtig
• Bis zu 1.612 € pro Jahr, zusätzlich können 50 % der Kurzzeitpflege umgewandelt werden → insgesamt bis ca. 2.418 €
• Kein Pflegeheim nötig
• Kann genutzt werden für ambulante Pflegedienste, stundenweise Betreuung, tageweise Entlastung und auch bei plötzlicher Überforderung (OP, Krankheit, Erschöpfung)
Wichtig: Viele Pflegekassen genehmigen Verhinderungspflege rückwirkend, wenn es ein Notfall war.

2. Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI) – auch als Notfall
• Bis zu 8 Wochen pro Jahr
• Gedacht für:
• Krankenhaus-/OP-Zeiten der pflegenden Person
• akute Krisen
• Problem: Plätze sind rar
• Aber: Die Pflegekasse muss bei nachgewiesenem Bedarf helfen, einen Platz zu finden

Nicht selbst suchen → Pflegekasse schriftlich auffordern, bei der Organisation zu helfen.

3. Tagespflege (auch kurzfristig!)
• Teilstationär (tagsüber Betreuung, abends zuhause)
• Entlastet massiv, auch mental
• Wird zusätzlich zum Pflegegeld bezahlt
• Viele Einrichtungen haben flexible Notfallplätze

4. Pflegeberatung nach § 7a SGB XI – kostenlos
Extrem unterschätzt!
• Anspruch auf individuelle Pflegeberatung
• Kann:
• Anträge stellen
• Einrichtungen kontaktieren
• Lösungen koordinieren
• Auch telefonisch oder per Hausbesuch

Sag dort klar: „Ich bin pflegende Angehörige, medizinisch selbst belastet und akut überfordert.“ Das ist ein Schlüsselwort.

5. Sozialdienst im Krankenhaus
Falls du selbst operiert wirst:
• Pflichtaufgabe, deine Versorgungssituation zu klären
• Kann:
• Kurzzeitpflege organisieren
• Übergangslösungen schaffen
• Druck bei der Pflegekasse machen
Ganz wichtig: nicht erst nach der OP, sondern vorher ansprechen.

Das war es erst einmal von mir. Ich drücke dir die Daumen.

--
Ich bin diesen Weg gegangen, um Euch zu zeigen wie es geht.


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