KAtharina- Teil 2

KAtharina ‚Ćā @, Camburg/Th√ľringen, Montag, 16. November 2009, 18:40 (vor 3263 Tagen) @ KAtharina

Teil 2
Der diensthabende Oberarzt hat mit trotz einem Telefonat mit meiner Augenärztin nicht geglaubt, dass ich mit dem Auge die Nacht vorher noch 70% gelesen habe, denn mehr als 20 % konnte ich leider schon nicht mehr vorweisen.
Er hat mir unterstellt, dass ich und meine √Ąrztin l√ľgen.
Die Aussage dass er mich sofort operiert hätte, wenn ich wirklich noch so viel gesehen hätte hat mich fast zur Weißglut getrieben!
Das Ganze war an einem Freitag, und ich wurde erst Montag operiert. Im Laufe des Wochenendes konnte ich zusehen, wie der Gesichtsfeldausfall immer größer wurde, immer mehr verschwand von meinen Fingern, die ich mir vor Augen hielt um zu sehen, ob die Ablösung fortschreitet.
Ich hätte schreien könne vor Angst und Frust. Da bin ich in der Klinik und keiner hilft mir!!!
Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der diensthabende Oberarzt sich nicht getraut hat, mein Auge zu operieren.
Das Auge wurde dann am Montag wieder mit einem schweren Gas gef√ľllt.
Nach 3 Wochen straffen liegen auf der rechten Seite ging die Netzhaut wieder ab.
Es wurde erneut operiert, diesmal bekam ich Silikonöl ins Auge.
Einen Tag nach der 2. OP wurde vergessen, den Augendruck zu messen.
Dadurch wurde der Sehnerv stark beschädigt, so dass mein Gesichtsfeld jetzt nur noch aus einem schmalen Schlitz bestand. Auf die Bitte hin, einen Arzt zu rufen wegen extrem starker Gesichts- und Kopfschmerzen bekam ich nur eine Schmerztablette, da sich die Schwester nicht getraut hat, den diensthabenden Arzt aus dem Bett zu holen.
Wenn ich in dieser Nacht gewusst hätte, dass es am zu hohen Augendruck liegt, hätte ich mich mehr beschwert und Theater gemacht - aber die Erkenntnis kam leider zu spät.
Sarkastisch ausgedr√ľckt:
Optimistisch wie ich bin wei√ü ich es dann f√ľr das n√§chste Mal.
Ich habe dann noch um die 20% mit √Ėl im Auge gesehen.
2002 habe ich die SHG Netzhautabl√∂sung gegr√ľndet, in der Hoffnung, Menschen mi t der gleichen Krankheit zu finden und Erfahrungen auszutauschen.
War ich am Anfang selbst die Hilfesuchende, bin ich heute soweit, dass ich selbst andere ‚ÄěNetzis‚Äú helfe und zeigen m√∂chte, dass ein Leben mit dieser Erkrankung auch Lebenswert ist.
√úber 1 Jahre lang habe ich Antidepressiva genommen und habe bei einem Psychologen eine Verhaltenstherapie gemacht, damit ich lerne, mit meinen √Ąngsten umzugehen.
Ein erfolgreiches Diplom, und dann von einem Tag auf den anderen auf einem Auge fast blind, √ľber Monate wahnsinnige Schmerzen und die st√§ndige Angst vor einer erneuten Abl√∂sung, sowie das Wissen, meinen Traumberuf als Landschaftsarchitektin nicht aus√ľben zu k√∂nnen, waren einfach zu viel f√ľr mich. Ich musste mein WG Zimmer in Erfurt aufgeben und mit 25 Jahren wieder bei meinen Eltern einziehen, von meinem damaligen Lebensgef√§hrten habe ich mich getrennt.
Ganz abgesehen davon, dass ich lange Zeit immer auf die Hilfe anderer angewiesen war.
Durch das Silikonöl habe ich einen Grauen Star bekommen sowie auch ein Sekundärglaukom.
Im Oktober 2003 wurde der Graue Star innerhalb von 5 Tagen so schlimm, dass ich meine Hand vor Augen nicht mehr erkennen konnte.
Es ist ungewöhnlich das der Graue Star so schnell schlechter werde kann, aber wenn es um das Thema Auge geht, denke ich, ist mittlerweile alles möglich.
Zu dieser Zeit hatte ich enormen seelischen Stress, und denke, dass die plötzliche Verschlechterung des Grauen Stars auch damit zusammen hing.
Das √Ėl wurde im November 2003 entfernt, zudem wurde ein Membranpeeling durchgef√ľhrt(was ich erst hinterher in den Akten gelesen habe) und die tr√ľbe Linse entfernt.
Im März 2006 kam mein Sohn Spencer per Kaiserschnitt auf die Welt, da mir von einer normalen Geburt auf Grund meiner Augen abgeraten wurde.
Ende Mai 2006 bekam ich in Leipzig eine Kunstlinse eingesetzt, und bin jetzt bei -2,5 Dioptrien angelangt.
Die Sehleistung lag danach wieder bei 20-25 %. Das Gesichtsfeld ist auf einen kleinen zentralen Kreis zusammengeschrumpft, der Augendruck machte immer noch Probleme, die Pupille ist starr und reagiert nicht mehr auf Licht.
Weiterhin habe ich sehr oft Schmerzen in diesem Auge, dazu kommt ab und an Migräne auf dieser Kopfseite.

2009 Burn out...

2010 / 2011 wurde das Sekundärglaukom immer schlimmer, es gab einige Glaukomanfälle und dazu noch 2mal eine Uveitis im linken Auge.
Um den zu hohen Druck zu senken tropfte ich teilweise 5mal täglich verschiedene Glaukommedikamente. Leider wirkte sich dieses sehr negativ auf die sowieso schon vernarbet und empfindliche Hornhaut des Auges aus, so dass ich fast ständig mit einer Hornhaut- Keratitis zu tun habe und dazu, schon eher nebensächlich, extrem trockene Augen habe.
In dieser Zeit suchte ich mir erneut eine Psychologin, welche mich bis Ende 2012 sehr gut durch mein Leben begleitet hat. Es war ein langer und steiniger Weg, der sich aber durchaus gelohnt hat.

--
Liebe Gr√ľ√üe
KAtharina

Warte nicht, bis der Regen vor√ľber ist. Lerne, im Regen zu tanzen!


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