Thorsten - Teil #5

fth68 @, Samstag, 15. April 2017, 11:18 (vor 491 Tagen) @ KAtharina

Eigentlich hatte ich fast schon ein Luxusproblem mit der Auswahl der Operateure. Ich stand vor der Wahl, diese Routine-OP wieder in der Uniklinik machen zu lassen, in meiner AA-Praxis selbst oder in der Dardenne-Klinik. Ich entschied mich f√ľr Letztere. Ausschlaggebend waren hier f√ľr mich hier die folgenden Gr√ľnde:
- Die Klinik macht diese OPs quasi "am Fließband". Daher kann man hier allerhöchste Routine und Erfahrung voraussetzen.
- Extrem und durchgängig gute Patientenbewertungen in den Portalen.
- Aus meinem Bekanntenkreis war auch schon mal jemand dort gut operiert worden.
- Die Voruntersuchung hatte bei mir ebenfalls Vetrauen in die √Ąrzte, Kompetenz und Professionalit√§t aufgebaut.
- Und entscheidend f√ľr mich: Die Klinik bietet Femtosekunden-Laser-OP an. Diese Art der OP gilt als pr√§ziser und schonender f√ľr das Auge als die herk√∂mmliche Skalpell-√Ėffnung und Ultraschallzertr√ľmmerung der Linse. Der Laser kann die √Ėffnung absolut pr√§zise und sauber legen, so dass auch keine Vern√§hung erforderlich ist. Die Linse kann vom Laser "vorverarbeitet" werden, sodass weniger Ultraschallenergie auf's Auge kommt. Streuungen dieser Energie k√∂nnen n√§mlich auch die Netzhaut und/oder die Endothelzellen der Hornhaut belasten. Auch die Abheilungsphase soll entsprechend viel schneller, sicherer und komplikationsfreier verlaufen.

Die Femto-OP wird leider nicht von der gesetzlichen Kasse bezahlt, als Patient muss man f√ľr diesen Wunsch einen Tausender selbst berappen. F√ľr mich war das aber keine Frage, denn der Preis stellt auch den einzigen Contrapunkt dieser OP-Art dar. Es gibt zwar keine Studien, die den medizinischen Mehrwert evident belegen (weswegen die Kassen sagen, der Standard reicht aus). Die Vorteile des Verfahrens sind aber klar verst√§ndlich. Und bei meinem riskanten NHA-Background w√ľrde ich niemals auf die Chance einer Risikosenkung, so klein sie auch sien mag, verzichten um den Aufpreis zu sparen. Man muss sich ja nur mal vorstellen, man w√ľrde dann doch zu den 0,5% oder so geh√∂ren, wo es schiefgeht, handelt sich eine schwere Komplikation, wom√∂glich eine weitere NHA ein. In diesem Fall w√ľrde man sicher ein√§ugig in den Spiegel schauen m√ľssen und sich fragen: "Warum habe ich Idiot hier versucht, ein paar Euro zu sparen und mein Augenlicht riskiert?".

Ich lie√ü also die Femto-OP machen und g√∂nnte mir noch eine asph√§rische Premiumlinse, schlie√ülich will ich ja den Rest meines Lebens noch so klar wie m√∂glich da durch schauen. Ich wurde 1 Nacht station√§r aufgenommen wegen meiner riskanten Netzhaut-Vorgeschichten. Alles lief gut. Am n√§chsten Morgen hatte ich dann bereits 100% Visus auf dem operierten Auge. Ich wurde entlassen, bekam einen Satz Medikamente, 1 Woche Krankschreibung und sollte mich 4 Wochen k√∂rperlich schonen (nicht viel b√ľcken, nichts Schweres heben, kein Sport).

4 Wochen später. Auch die Abheilungsphase ist optimal und komplikationslos verlaufen. Ein paar Tage war das Auge zwischendurch mal etwas röter und gereizter, aber unter'm Strich keine Beschwerden. Der Visus liegt immer noch bei 100% (sogar 125%, hatte meine AA festgestellt) auf beiden Augen.

Ganz so wie vor 2 Jahren ist es trotz dieser technisch perfekten Werte na√ľtlich nicht mehr. Mein rechtes Auge kann ja nicht mehr akkomodieren, daher muss ich mich nun mit Gleitsichtbrillen oder wechselnden Nah-/Fernbrillen anfreunden.

Als letzte Nachwehen habe ich daher nur noch die folgenden Wehwehchen:
- Die Nachtsichtf√§higkeit meines rechten Auges ist stark gesunken (war auch schon fr√ľher nicht ber√ľhmt). In der D√§mmerung sinkt mein Visus daher von den 100% auf eher gef√ľhlte 60%-70% schnell ab.
- Minimale Photopsien, also kleinere Leuchteffekte in den geflickten Netzhautsektoren habe ich bei geschlossenem Auge.
- Etwa ein Dutzend kleinere Partikel/Zellen, die flottierend in meinem Auge rumschwirren, nerven mich hin und wieder. Je heller die Umgebung, desto öfter und stärker nehme ich diese war.
-

Aber das ist alles Jammern auf höchstem Niveau, ich bin (bislang! Toi Toi Toi!) aus der ganzen Nummer wirklich mit einem "blauen Auge" davon gekommen.

Ich hoffe, dieser recht lange und detaillierte Bericht hilft insbesondere neuen Betroffenen, sich an einigen Symptomen vielleicht zu orienteren. Und ich hoffe, er macht auch einigen Betroffenen Mut, dass auch eine mehrfache Netzhautablösung / Re-Amotio am Ende immer noch relativ glimpflich ausgehen kann.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum