Erfahrungsbericht R.S. Teil 3

R.S., Montag, 21. September 2020, 15:47 (vor 32 Tagen) @ KAtharina

Mein Stand jetzt, 3 Wochen nach letzter, 3-ter O.P. bzw. ca. 10 Wochen nach erster:

Beim heutigen Kontrolltermin war der Augeninnendruck deutlich zu hoch, mit 26. D.h. dieser soll wieder mit Tropfen u. Tabletten abgesenkt werden. Sehen durch das Öl-Auge ist noch erwartbar sehr unscharf u. sehr verzerrt. Nicht nur sind alle Linien verbogen, sondern das gesamte x-y Koordinatensystem kippt um ca. 10-15 Grad nach links unten, was mit 2 Augen ein komplettes Doppelbild ergibt. VernĂŒnftiges Sehen ist weder mit dem guten linken Auge, noch mit dem operierten, solo möglich. Kurze Versuche mit beiden fĂŒhren schnell zu Schwindel, Gleichgewichsstörungen, Benommenheit. Ich versuche momentan auch garnicht mehr lĂ€nger etwas mit dem guten Auge zu fokussieren, z.B. zum Lesen, Fernsehen oder wie jetzt, zum Schreiben. Das geht bestenfalls eine halbe Stunde am StĂŒck u. macht mir Kopfweh u. Unwohlsein. Ich bin stĂ€ndig leicht benommen. An Autofahren oder augenanspruchsvolle TĂ€tigkeiten ist momentan nicht zu denken. Ganz vorsichtig möchte ich mich bald wieder Radfahren trauen, zum Einkaufen etc. (sicher nicht zum Spaß). Zu Fuß gehen ist anstrengend u. geht auch nur auf ebenem Untergrund. Gitarre Spielen geht leidlich u. hilft mir nicht wenig durch diese schwere Zeit. Wenn ich auch deutlich bemerke, daß ich mir schlecht was merken kann. Der Sekretfluß aus Auge u. Nase bleibt mir immer noch unverĂ€ndert. Der Anfangs offenbar „beleidigte“ rechte Kopf/Gesichtsnerv schmerzt gottseidank nur noch selten.

Mein Fazit bis jetzt:

Ich habe langsam wieder leise Hoffnung auf ein Seherlebnis „mit dem ich leben“ kann. Allzuviel erwarte ich mir nicht. Und falls doch, wird es noch lange dauern. Wenn es so kommt, danke ich dem lieben Gott meinen Ärzten u. denen die zu mir stehen.
Der Frust ĂŒber meine erzwungene UntĂ€tigkeit u. UnfĂ€higkeit, Unsicherheit kriegt mich tĂ€glich. Trotzdem freue ich mich ĂŒber die grad ĂŒberschaubar wenigen positiven Dinge u. ĂŒber jede kleine Verbesserung. Ich bin so froh, daß ich wieder schlafen kann. Zu Verbesserungen ist viel Luft nach oben!
NatĂŒrlich mach ich mir zwischendrin auch wieder große Sorgen, wegen der nĂ€chsten noch anstehenden O.P., wenn das Öl wieder aus dem Auge muß. (HĂ€lt das Auge das ein 4tes mal aus? Was seh ich danach? Wie weit versetzt es mich von meinem gewohnten, schönen Leben. HĂ€lt die NH. diesmal? Ich versuche möglichst nicht dran zu denken, weil’s mir wirklich davor graust.
BezĂŒglich meiner Arbeit mach ich mir keine Illusionen. Ich möchte gerne bald wieder, werde mir aber sicher sehr viel Zeit lassen, wenn es ĂŒberhaupt wieder gehen sollte. Der Job liegt mir zwar am Herzen, ist aber im Vergleich zur Hauptsache nicht sehr relevant. Mein Chef wird nicht unbedingt auf mich warten.

Mein Rat an alle Betroffenen:

Nicht unterkriegen lassen. Fangt ja nicht zu frĂŒh wieder an mit anstrengender Arbeit, Streß oder Sport. Auch wenn es so ausschaut, als wenn es gehen könnte. Hier braucht’s viel Zeit u. die mĂŒĂŸt Ihr von allen u. vor Allem Euch selbst einfordern. Haltet Euch unbedingt an die Lagerempfehlungen u. verschafft Euch dazu Kenntnisse, Empfehlungen, wie’s einigermaßen ertrĂ€glich sein kann. Wer nicht schlafen kann, bei dem heilt in dieser ersten schweren Zeit auch nichts. Mir hat zuletzt in den schlimmsten NĂ€chten ein selbstgebasteltes Kirschkernkissen etwas Linderung verschafft.

Mein Dank die Ärzte:

Danke daß Ihr jeweils schnell u. ohne zu zögern das notwendige getan habt. Danke fĂŒr die Ermutigungen an den zunehmend mutloser werdenden. Danke fĂŒr die hohe Kunst, Engagement u. Raffinesse, die es zu den, oft genug, guten Ergebnissen braucht.

Meine Bitte an die Ärzte:

Bitte laßt uns nicht spĂŒren, daß wir FĂ€lle in einer mehr oder weniger guten Erfolgsstatistik sind. Zusammen sind wir das, aber jeder einzelne ist Mensch, mit mehr oder weniger Angst um seine Augen. Bitte tröstet, macht Mut, laßt Euch blicken auch wenn’s mal nicht gut fĂŒr Euer Ego u. diese Statistik ausschaut. Nehmt Euch mehr Zeit fĂŒr die AufklĂ€rung. Über O.P. -Verlauf, Chancen u. Risiken sowieso, aber auch fĂŒr die vermeintlich kleinen praktischen Dinge danach. Schlaflagerung, wie genau u. wie u. mit was geht’s ertrĂ€glicher. (wer das nicht halbwegs hinkriegt, wird auch nicht diszipliniert damit umgehen).Und muß es wirklich so lang u. so hart sein? Bitte kĂŒmmert Euch in der Nachsorge nicht hauptsĂ€chlich nur um die Herstellung der objektiven SehschĂ€rfe bzw. vermeintlichen ArbeitsfĂ€higkeit, sondern auch um das subjektive Seherlebnis u. Gesamtbefinden.

Ich habe vor mich wieder zu melden, je nach weiterem Verlauf meiner Geschichte.

R.S.


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