Erfahrungsbericht Lujobe

Lujobe, Dienstag, 09. März 2010, 20:50 (vor 2836 Tagen) @ KAtharina

Eigentlich verwunderlich dass ich dieses Forum erst jetzt gefunden habe, da ich mich mit diesem Thema bereits seit gut 10 Jahren befasse (muss). Bei mir hat alles im Jahre 2000 begonnen. Katarakt-OP hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon an beiden Augen hinter mir. Bei Vorbereitungsarbeiten zu einer Messe bemerkte ich einen Schatten im linken Auge. Blitze habe ich damals keine gesehen. Ich habe dies zuerst f√ľr √úberanstrengung gehalten. Erst als der Schatten am n√§chsten Tag gr√∂√üer und deutlicher war wurde mir klar dass hier was ernsteres vorliegt. Statt direkt vor ort in eine Klinik zu gehen bin ich dann mit einem Kollegen nach Hause gefahren und dort zu meinem Augenarzt gegangen. Der hat ich sofort zur Uniklinik verwiesen.
Dort wurde von den Ambulanzärzten dikutiert wie eilig eine OP ist. Diese Diskussion wurde von einem Oberarzt, der wohl eher zufällig dazukam, beendet mit der Entscheidung "SOFORT". Es folgte eine Nacht-OP von etwa 5 Stunden Dauer bei der eine Vitrektomie vorgenommen wurde und mehrere großflächige Netzhautablösungen mit Plomben und Cryokoagulation behandelt wurden. Es wurde eine Gastamponade vorgenommen.
Ergebnis dieser ersten OP war eine vollflächig wieder anliegende Netzhaut aber Narben, auch im Bereich der Makula. Sehvermögen war, nach entsprechender Erholungszeit, scharf und kontrastreich aber durch narbenbedingte Verzerrungen in der Lesefähigkeit dauerhaft eingeschränkt. Die Aussage dass eine Amotio meist eine einmalige Angelegenheit ist war zu dem Zeitpunkt eine gewisse Beruhigung.
Um es kurz zu machen, es blieb nicht einmalig und es blitzte auch h√§ufiger. Am gleichen Auge gab es im Abstand von Tagen bis Wochen mehrere weitere Foramen und Amotio. Folge war eine Cerclage, √Ėltamponade sowie weitere Plomben und Cryos.
Noch bevor die √Ėltamponade wieder entfernt werden sollte kam die erste von mehreren Amotio am anderen Auge. Mittlerweile mit gesch√§rften Sinnen f√ľr solche Probleme habe ich diese recht fr√ľh bemerkt und schnell reagiert. Um es kurz zu machen, am Ende waren es 14 Operationen wegen Amotio, 3 Operationen wegen Katarakt bzw. Verisyse-Linse und ungez√§hlte Laserbehandlungen. Beide Augen sind betroffen, wobei das h√§ufiger operierte Auge heute noch eine brauchbare Sehleistung aufweist. Die Option am zweiten Auge auch eine Vitrektomie vornehmen zu lassen habe ich, in Absprache mit dem Professor der Klinik, nicht wahrgenommen. Die Meinungen der behandelnden √Ąrzte waren hier durchaus geteilt. Letztlich denke ich dass die Entscheidung so richtig war.
Zu allem √úberflu√ü kam es vor etwa 2 Jahren zur Losl√∂sung der Linse im schlechten Auge. Die ist mir einfach "ins Auge gefallen". Also wieder OP, nun eine Verisyse-Linse an der Iris festgeklammert. Leider geht seit diesem Zeitpunkt die Sehkraft des Auges best√§ndig zur√ľck. Neben Arealen in denen ich keine Farben sehe ist genau zentral bei geringer Helligkeit nur noch eine graue Fl√§che.
Sehnerventz√ľndungen, Retinaentz√ľndungen, √Ėdeme, diesem Auge blieb wenig erspart.
Trotz alledem bin ich noch voll im Beruf und kann und darf auch noch PKW fahren. Aktuell habe ich nun einen GdB von 40 bekommen. Dies allerdings nur im Zusammenspiel mit weiteren Problemen.
Amotio hatte ich nun seit einigen Jahren keine mehr, was ich auch darauf zur√ľckf√ľhre, dass ich alle Risiken die mir bekannt wurden absolut meide. Mit jeder OP bin ich vorsichtiger geworden.
Die Anmerkung eines Assistenzarztes, nach der letzten OP vor 2 Jahren - damit k√∂nnen sie kopfstehend Trampolin springen - habe ich lediglich kopfsch√ľttelnd zur Kenntnis genommen.

√úbrigens den Spruch
"Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist f√ľr die Augen unsichtbar"
habe ich mir auch zu eigen gemacht und bei diversen Gelegenheiten als Motto angegeben.
Passt eben irgendwie zu unserer Situation.

Gruß
Lujobe

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"Du kannst nicht wählen, wie du stirbst oder wann.
Aber du kannst bestimmen, wie du lebst. JETZT!"
(Joan Baez)


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