Erfahrungsbericht Brigitte

Brigitte, Samstag, 04. August 2012, 21:30 (vor 1934 Tagen) @ KAtharina

Meine letzte Op liegt jetzt mehr als ein Jahr zur√ľck. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass mein Sehverm√∂gen stabil ist, und wage es, meinen Erfahrungsbericht zu posten. Wer keine Schauergeschichte lesen m√∂chte, der beschr√§nke sich auf den letzten Absatz. Alle Anderen k√∂nnen meine ziemlich traumatische Krankengeschichte mit verfolgen.

Das Elend begann an einem Freitagabend im Dezember 2010, als mir ein Sektkorken gegen das RA flog. Dabei sah ich f√ľr den Bruchteil einer Sekunde einen heftigen Blitz. Danach fiel mir auf, dass sich bei Augenbewegungen in der rechten √§u√üersten Ecke immer ein kleiner Blitz zeigte. Gleich am Montag rief ich beim AA an, schilderte die Symptome und wurde aufgefordert, sofort vorbeizukommen. Der AA diagnostizierte eine alte NHA. Wohlgemerkt: eine alte (!) NHA. Der Sektkorken war also unschuldig.

Am n√§chsten Tag fand ich mich als Notfall im Krankenhaus wieder. Operiert wurde konservativ. Es wurde von au√üen eine buckelnde Plombe aufgen√§ht, und der Riss wurde mit einigen Kryo-Sch√ľssen abgeriegelt. Eine Woche sp√§ter war ich wieder arbeiten. Am meisten belastete mich, dass ich wegen des K√§lte√∂dems Kortison einnehmen musste. Mit diesem Medikament kam ich √ľberhaupt nicht zurecht. Ich habe kaum noch geschlafen und war schwerst aggressiv. Meine Beine hatten ein rotwei√ües Streifenmuster angenommen. Am schlimmsten, weil irreversibel, war, dass ich auf beiden Augen einen kortisonbedingten Grauen Star bekam. ¬ĄCataracta corticonuclearis¬ď hie√ü es in sp√§teren Arztberichten. Als ich dann nach drei Wochen mit dem Kortison aufh√∂ren konnte, war ich √ľbergl√ľcklich und meinte, nun sei alles √ľberstanden.

Ein Irrtum. Etwa sechs Wochen nach der Op schob sich ein grauer Keil in das Sehfeld. Zuerst dachte/hoffte ich, ich h√§tte einen Fussel auf der Brille. Das war leider nicht der Fall. Das Sehverm√∂gen auf dem RA verschlechterte sich rapide. Innerhalb weniger Tage kam mir die Lesef√§higkeit abhanden. Gerade Linien sah ich wellig. Der AA stellte eine epiretinale Gliose mit einem ausgepr√§gten Begleit√∂dem fest. Dagegen half nur ein Membrane-Peeling, so dass mir eine ppV nun doch nicht erspart blieb. Ich entschloss mich, diese Op in einer Tagesklinik vornehmen zu lassen, weil ich auf Krankenhaus so gar keine Lust hatte. Die Op verlief ohne Komplikationen. Gleich am ersten Tag nach der Op sah ich trotz der Gasblase besser als vorher mit der Gliose. Au√üerdem blieb mir diesmal die Kortisoneinnahme erspart. Stattdessen war mir noch w√§hrend der ppV Triamcinolon in den Glask√∂rper gegeben worden, und ich musste Kortison-haltige AT anwenden. Ich befand mich in Hochstimmung und glaubte, jetzt w√ľrde alles wieder gut.

Aber dann ¬Ö Am vierten postoperativen Tag sah ich pl√∂tzlich so ein schwarzes waberndes Etwas in das Sehfeld hineinragen. Was ist das> Eine zweite Gasblase> Bitte keine neue NHA. Doch. Also wieder ab zur Op. Meine Bef√ľrchtung, dass diesmal mit √Ėl tamponiert w√ľrde, bewahrheitete sich gl√ľcklicherweise nicht. Es wurde wieder Gas verwendet, allerdings diesmal Perfluorethan, das erst nach sechs Wochen resorbiert wird. Die NH lag nun an, aber leider war unter dem Gas die Kunstlinse, die mir bei der ersten ppV eingesetzt worden war, verrutscht. Das bedeutete, dass ich zu einer weiteren Op antreten musste zwecks Vorderabschnittrevision. Diese fand statt, nachdem sich das Gas vollst√§ndig verfl√ľchtigt hatte, und verlief ¬Ė man glaubt es kaum ¬Ė g√§nzlich ohne Komplikationen.

Im Dezember 2011 schaffte mein RA einen Visus von 0,8. Mehr hat es vor den NH-Problemen wegen der hohen Kurzsichtigkeit auch nicht geschafft. Ich habe also mein altes Sehverm√∂gen zur√ľck. Besser geht nicht. Auch die Lesef√§higkeit ist voll wiederhergestellt. Ich kann jetzt wieder jedes Augenpulver ohne Schwierigkeiten lesen, was f√ľr mich lebenswichtig ist, weil ich als Juristin jeden Tag viel Kleingedrucktes lesen muss. Ich denke, dass ich mit meinem Erfahrungsbericht vielen Netzis Mut machen kann, denn er zeigt, dass auch komplikationsreiche Krankheitsverl√§ufe gut ausgehen k√∂nnen und dass es sich lohnt, um jedes Prozent Sehkraft zu k√§mpfen. Mein AA meinte, dass zum guten Ergebnis das Triamcinolon sehr beigetragen habe. Also liebe Netzis, verlangt Triamcinolon. Au√üerdem rate ich sehr dazu, diese HP und ihren hohen Informationswert zu nutzen. Ich habe hier sehr viel gelernt und erfahren, so dass ich in der Lage war, den A√Ą die richtigen Fragen zu stellen.


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